Winterworte und Landschaft im Schnee

verschneite-Brücke-mit Birken

Nach Weihnachten hat es dann doch endlich mal geschneit. Seit einer Woche fühlt es sich für mich nun wirklich nach Winter an.

Auch wenn man bald über den Schnee schimpft, der allen das Leben schwermacht, die irgendwie mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß vorwärtskommen wollen – schön ist es trotzdem, wenn es schneit!

Alles wirkt viel friedlicher und stiller, die weiße Schneedecke dämpft den Alltagslärm, die Städte und Landschaften wirken verträumt und wie aus einer anderen Welt… Mein Fahrrad habe ich die letzten Tage meistens stehengelassen – und hab es genossen, warm vermummt durch den Schnee zu stapfen und dem dichten, eisigen Flockenwirbel zu trotzen… Und am Neujahrstag bei mildem Sonnenschein einen Winterspaziergang über weißverschneite Feldwege zu unternehmen, ist einfach himmlich!

Hier habe ich ein paar winterliche Bild-Impressionen (allerdings aus den vergangenen zwei Jahren) zusammengestellt: Landschaft im Schnee – und zur „Untermalung“ ein paar winterliche Gedichte:

Christian Morgenstern: Winternacht

Flockendichte Winternacht …
Heimkehr von der Schenke …
Stilles Einsamwandern macht,
dass ich deiner denke.

Schau dich fern im dunklen Raum
ruhn in bleichen Linnen …
Leb ich wohl in deinem Traum
ganz geheim tiefinnen? …

Stilles Einsamwandern macht,
dass ich nach dir leide …
Eine weiße Flockennacht
flüstert um uns beide…

Maria Janitschek: Unterm Schnee

Halt ich sacht auf weißem Felde,
Märchen sinnend, stillerlauschten,
Ist`s , als ob zu meinen Häupten
Nahe Flügelschläge rauschten.

Ist es mir, als ob der Schneewind
Warme Blumendüfte brächte.
Blumenduft von tausend Beeten,
Aus der Glutpracht fremder Nächte.

Behend eil` ich in den Garten,
Wo die Bäume silbern stehn,
Um in zitterndem Erwarten
Nach den Zweigen aufzuseh`n.

Streif den Schnee von ihnen zärtlich
Der sie in sein Weiß versteckt,
Und erblick, o lieblich Wunder,
Junge Äuglein, schlafbedeckt.

Frühling! Nach des Sommers Abschied
Nahst du schon mit leisen Küssen,
Und es gibt gar keinen Winter,
Und kein kaltes Sterbenmüssen.

Streift den Schnee nun von den Dingen,
Drunter grünen neue Triebe,
Und ihr spürt des Lebens Jugend
Und die Urkraft seiner Liebe.

Gottfried Keller: Winternacht

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee.
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.

Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.

Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe von mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.

Mit ersticktem Jammer tastet` sie
An der harten Decke her und hin –
Ich vergess das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn!

Fallen euch noch weitere schöne Wintergedichte ein?

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