3 Krimis: Chandler, Haas und Highsmith

In meinem letzten Beitrag hatte ich es ja schon erzählt: Ich habe mich aktuell dem Krimi- und Thrillergenre zugewandt und nach C.S. Forester nun innerhalb von zwei Wochen drei weitere spannende Romane gelesen: Playback von Raymond Chandler, Silentium von Wolf Haas und Die zwei Gesichter des Januars von Patricia Highsmith. Übrigens handelte es sich dabei für mich um drei Premieren: Bisher hatte ich keinen der drei Autoren gelesen.

drei Bücher

Raymond Chandler: Playback (1958)

Ich stand vor dem Krimiklassiker-Regal in der Stadtbücherei und hielt nach geeigneter Lektüre Ausschau. Vom Amerikaner Raymond Chandler hatte ich noch nichts gelesen, also griff ich nach dem erstbesten Buch und zog es aus dem Regal: Playback. Rasch überflog ich die erste Seite dieses Romans und war überzeugt. Mir gefielen auf Anhieb der ironische Erzählton und die nonchalante Art von Philip Marlowe, Detektiv und Protagonist.

Exkurs: Chandler vs. Hemingway?

Der Diogenes-Verlag zitiert Helmut Heißenbüttel, der einmal äußerte: „Ich halte es für möglich, dass der Ruhm des Autors Raymond Chandler den des Autors Ernest Hemingway überdauert.“

Hm, da bin ich mir wiederum nicht so sicher. Von Hemingway habe ich zwar bisher nur Fiesta gelesen und dieser ganze Männlichkeitskult um Stierkämpfe und Toreros und die ewigen Drinks in irgendwelchen Cafés und Bars gingen mir ziemlich auf die Nerven. Trotzdem hinterließ Hemingway einen Eindruck bei mir, den ich bis heute nicht losgeworden bin und ehrlichgesagt auch gar nicht loswerden will. Im Nachhinein, vor allem als wir im Uni-Seminar über das Buch sprachen, konnte ich Fiesta doch mehr abgewinnen als zunächst gedacht. Chandler, so mein Eindruck nach meiner ersten Begegnung mit einem seiner Werke, erreicht nicht denselben Tiefgang wie Hemingway. Und die Figuren und Handlung von Playback sind bei mir schnell wieder verblasst.

Aber es geht ja gar nicht unbedingt darum, wer wen überdauert.

Inhalt

Chandlers Playback war jedenfalls eine gute, launig erzählte Detektivgeschichte: Der Privatdetektiv Marlowe erhält den Auftrag, eine junge Dame zu beschatten, die unter falschem Namen unterwegs ist. Den Grund der Beschattung kann ihm zwar nicht einmal sein Auftraggeber nennen, aber bald muss Marlowe feststellen, dass außer ihm noch ein paar andere, recht zwielichtige Männer die attraktive Betty einzukreisen scheinen. Und dann taucht auch noch eine Leiche auf… oder doch nicht?

Mein Lektüre-Eindruck

Die Story hat mich durchaus gefesselt und ich war immer neugierig, wie es weitergeht: Was ist das Geheimnis von Betty, gab es nun einen Mord oder nicht, wann wird Marlowe mit Betty im Betti (sorry, der Kalauer musste sein) landen?

Doch obwohl mich Playback fasziniert hat, fand ich den Spannungsbogen etwas zu flach gehalten, Marlowes Ermittlungen schleppten sich so dahin. Und seine arrogante, unerschrockene Privatdetektiv-Art, die ihn letztlich doch in die Betten aller attraktiven Frauen der Geschichte bringt, fand ich einerseits amüsant, andererseits aber auch ganz schön 50er-Jahre-mäßig.

Welch Ironie: Die Figur des Ermittlers Philip Marlowe kam mir vor wie ein Klischee – dabei ist er ja gerade der Urtypus des großstädtischen Privatdetektivs, den so viele Autoren später nachgeahmt – und somit erst zu einem Klischee gemacht – haben.

Fazit: Gute Unterhaltung, aber trotz des positiven ersten Eindrucks kein Buch, das bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

♠♠♠

Wolf Haas: Silentium (1999)

Kontrastprogramm: Nach dem Chandler-Krimi griff ich mir einen Haas-Krimi, der mir schon des Öfteren empfohlen worden war: Silentium.

Inhalt

Der Privatermittler Brenner erhält einen Auftrag vom Salzburger Knabeninternat Marianum, dass schon viele Priester und Bischöfe hervorgebracht hat. Brenner soll diskret ermitteln, ob an den Anschuldigungen eines ehemaligen Zöglings etwas dran ist: Ausgerechnet Bischofskandidat Schorn soll ihm seinerzeit im „Hygieneunterricht“ zu nahe gekommen sein. Eine heikle Angelegenheit, schließlich steht die Karriere des künftigen Bischofs auf der Kippe. Doch als der ehemalige Schüler ermordet wird, gehen Brenners Ermittlungen bald noch in ganz andere Richtungen. Zur Seite steht ihm dabei ein Ex-Knacki, der ihn auf eine wichtige Fährte bringt – und zu einer neuen Leiche…

Mein Lektüre-Eindruck

Silentium hat mich positiv überrascht: Beim Lesen hätte ich mich fortwährend kugeln können, der Brenner ist einfach eine toll gezeichnete und durch und durch sympathische Figur. Ich hätte nie gedacht, dass mir die Haas-Krimis so gut gefallen könnten, bisher habe ich ihnen kaum Beachtung geschenkt. Jedenfalls verfolgte ich Brenners Ermittlungen im Salzburger Knabeninternat und dem Dunstkreis der Festspiele gebannt und konnte das Buch bald gar nicht mehr zur Seite legen.

Fazit: Spritzig-witzige, unernste Krimi-Unterhaltung und die perfekte Liegestuhl-Lektüre an heißen Sommerwochenenden. Ich habe mir fest vorgenommen, bald einen weiteren Haas zu lesen!

♠♠♠

Patricia Highsmith: Die zwei Gesichter des Januars (1964)

Und wieder Kontrast: Patricia Highsmith erzählt in ihrem Thriller Die zwei Gesichter des Januars die Geschichte zweier Männer, die unentrinnbar „miteinander verkettet“ sind.

Inhalt

Der Amerikaner Chester, ein Aktienbetrüger, ist mit seiner hübschen, wesentlich jüngeren Frau Colette auf Europareise. In Athen kreuzen sich ihre Wege mit ihrem jungen Landsmann Rydal Keener, der schnell Interesse an dem Paar entwickelt. Als Chester in Schwierigkeiten gerät und in seinem Hotel eine Leiche entsorgen muss, hilft Rydal ihm kurzerhand dabei, die Leiche in der Putzkammer zu verstecken. Ab diesem Moment sind die beiden Komplizen wider Willen. Chester hält Rydal für einen Erpresser, Rydal dagegen ist aus ganz persönlichen Gründen an Chester und seiner Frau interessiert. Sie lassen in ihm schmerzhafte Erinnerungen auferstehen und er hofft, durch die Bekanntschaft mit den beiden von seiner Vergangenheit erlöst zu werden…

Athen und Kreta (und zum Schluss auch Paris) sind die Schauplätze der Handlung, die sich immer weiter zuspitzt und auf ein „Duell“ der beiden Kontrahenten hinauszulaufen scheint. Der eine hält den anderen in der Zange, am Schluss ist überhaupt nicht mehr klar, wer wem überlegen ist und am Ende als „Sieger“ dastehen wird.

Mein Lektüre-Eindruck

Ein spannender Roman mit lebensnahen Figuren, die man gespannt bei ihrem Tun begleitet und von denen man ungern Abschied nimmt. Hundertprozentig überzeugt hat mich Die zwei Gesichter… allerdings nicht, mitunter war mir das Hin und Her der Protagonisten etwas zu anstrengend und die Geschichte zu sehr in die Länge gezogen.

Fazit:Ein lesenswerter Thriller mit überzeugenden Charakteren. Aber ich könnte mir vorstellen, dass andere Highsmith-Klassiker (etwa Der talentierte Mr Ripley) wesentlich besser sind.

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