Türkei 2015, Teil III: Dreieinhalb Tage Istanbul

Anfang September, nach den Hochzeitsfeierlichkeiten und Urlaubstagen rund um Antalya, flog ich weiter nach Istanbul. Dort traf ich meine Schwester, die aus Deutschland angereist war, und gemeinsam verbrachten wir ein paar wunderschöne Tage in der Stadt am Bosporus.

Istanbul

Blick von Beyoglu gen Bosporus und Sultanahmet

Es war mein erster Aufenthalt in der „Stadt der sieben Hügel“. Schon seit Jahren hatte ich geträumt, einmal hierher zu kommen und mit eigenen Augen zu sehen, was ich bisher nur von Fotos und aus Filmen kannte. Ich hatte mir nicht zu viel erwartet!

Exkurs: Istanbul von oben

Istanbul faszinierte mich bereits aus der Luft.

Auf dem Weg von Deutschland nach Antalya musste ich in Istanbul umsteigen. Als die Maschine gen Antalya startete, war die Sonne gerade untergegangen. Das fand ich zunächst etwas schade, weil ich beim Fliegen immer gerne aus dem Fenster schaue. Doch ich hatte nicht geahnt, welch einen grandiosen Anblick mir das nächtliche Istanbul bieten würde!

Wir hoben ab und flogen über ein Meer aus Lichtern: wie goldglühende Flüsse wanden sich unter uns die großen Straßen und Stadtautobahnen unter uns, zu ihren Seiten funkelten die Lichter von Hotels und Appartmentanlagen, manche Gebäude wechselten die Farbe ihrer Beleuchtung von Grün zu Blau zu Rot… Es war ein einziges Feuerwerk aus Farben und Lichtern. In der Ferne, wo das Funkeln ein Ende hatte und tiefe Schwärze begann, erahnte ich ein Gewässer und darauf blinkten vereinzelt kleine weiße Lichtpunkte: das waren zweifellos die großen Frachtschiffe auf dem Marmarameer…

Und auch auf umgekehrtem Wege, beim Flug von Antalya nach Istanbul, saß ich am Fenster und konnte die Stadt von oben betrachten. Diesmal allerdings bei Tageslicht – und mit gezückter Kamera:

Zwar nicht so faszinierend wie das nächtliche Lichtermeer, aber dennoch beeindruckend.

Doch den Flug über Istanbul bei Nacht werde ich so schnell nicht vergessen.

Meine Istanbul-Highlights

Und nun zu den Highlights meiner Tage in  Istanbul.

Fahrt auf dem Bosporus

Mit einem Boot das Goldene Horn und den Bosporus entlang fahren, das musste unbedingt sein. Ich wollte die Stadt von der Wasserseite aus kennenlernen. Die Fahrt auf dem Touri-Schiff führte uns an zahlreichen alten Palästen, großen und kleinen Moscheen, grünen Hügeln, modernen Villen und alten Gemäuern vorbei.

Hagia Sofia und Blaue Moschee, außen und innen

Da unser Hotel in der Istanbuler Altstadt, in Sultanahmet, lag, waren die wohl berühmtesten Bauwerke der Stadt, die Hagia Sofia und die Blaue Moschee, nicht weit. Von der Dachterrasse des Hotels blickten wir direkt auf die mächtige Kuppel und die Minarette der Blauen Moschee, besonders bei Abendstimmung beeindruckend:

Türme und Kuppel der Blauen Moschee

Die Blaue Moschee im Abendlicht

Allein von außen fand ich die beiden geschichtsträchtigen Sakralbauten schon sehr beeindruckend. Besonders abends gefiel ich die Stimmung auf ihren Vorplätzen und dem Hippodrom: die vom weichen Abendlicht beschienenen Bauten, die Wasserspiele am Springbrunnen, die vielen entspannten Menschen, Touristen wie Istanbuler, die auf den Wegen zwischen den sorgsam gehegten Grünanlagen flanierten und an bunten Ständen Mais oder Maroni kauften…

Und natürlich war auch das Innere beider Gebäude beeindruckend.

Als wir morgens zu spät dran waren und sich die Touristenschlange vor dem Besuchereingang der Blauen Moschee bereits einmal um den gesamten Gebäudekomplex wickelte, gaben wir uns geschlagen und fanden uns damit ab, die Blaue Moschee wohl nicht von innen zu sehen. Doch abends, eine halbe Stunde vor ihrer Schließung, hatten wir unvermutet Glück und kamen im Nullkommanichts hinein. Ein Glück, denn ich fand den hohen, lichten Raum mit seinen ornamentgeschmückten Wänden und Decken sehr beeindruckend:

In der Hagia Sofia verbrachten wir wesentlich mehr Zeit als anfangs vermutet. Auch sie machte großen Eindruck auf uns, vor allem die noch erhaltenen byzantinischen Fresken.

Ich fand außerdem (fotografischen) Gefallen am Ausblick durch die Fenster. Von drüben grüßte die Blaue Moschee herüber…

Die Yerebatan Zisterne

Südwestlich der Hagia Sofia schlummert unter der Erde ein Relikt aus byzantinischer Zeit: Die Basilika-Zisterne, deren Bau von Kaiser Justinian angeordnet worden war. Die Beleuchtung ist schummrig, ein ganz eigener Geruch liegt in der Luft. Die Atmosphäre hat etwas Magisches an sich (sieht man einmal von den umherlaufenden Touristen und dem Klicken ihrer Fotoappartate ab). Aus dem tiefschwarzen Wasser wachsen die neun Meter hohen Marmorsäulen empor und stützen das Deckengewölbe. Breite Holzstege führen durch den Säulenwald. Sieht man genau hin, da wo die Scheinwerfer für Helligkeit sorgen, kann man dicke, träge Fische im Wasser erkennen.

Basilikazisterne

Bummel durch Beyoğlu

Mit der Straßenbahn fuhren wir nach Beyoğlu, das auf der nördlichen Seite des goldenen Horns, Sultanahmet gegenüber, liegt. Dort bummelten wir hügelaufwärts und hügelabwärts, schlenderten die große Einkaufsstraße İstiklâl Caddesi entlang, fanden in einer Seitenstraße eine nette kleine lokanta, wo wir gut und preiswert zu Mittag aßen, erstanden frisches Turkish Delight und pausierten in einem Dachcafé mit unglaublichem Blick über die Dächer Istanbuls.

Ausflug nach Eyüp

Das Viertel Eyüp ist islamisch geprägt und ein besonderer Ort für fromme Türken: Ein Bannerträger Mohameds, der bei der Belagerung Konstantinopels fiel, fand hier sein Grab und gab dem Stadtteil seinen Namen. Ebenso der Eyüp-Sultan-Moschee, die Ziel von Pilgern ist.

Unweit davon führt eine Seilbahn auf einen Aussichtshügel. Vom Pierre-Loti-Cafe hat man einen tollen Blick über die Stadt, selbst wenn das Wetter nicht besonders ist:

Türkischer Tee auf der Aussichtsterrasse ist ein Muss:

Zu Fuß wanderten wir über den alten Friedhof wieder hinab, der von Katzen und Raben bewacht wird.

Im Hamam

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, einen türkischen Hamam zu besuchen. Gar nicht so einfach, denn man muss erst einen guten finden. Die meisten der größeren und bekannten Hamams gelten als Touristenfallen, überteuert und unfreundlich. Unser Reiseführer empfahl u.a. den kleinen Nisanci-Hamam unweit der Laleli-Moschee.

Auf Irrwegen

Erst einmal verirrten wir uns auf dem Weg dorthin ein wenig in den belebten Einkaufsstraßen des Viertels: Kein einziger Tourist war hier unterwegs, dafür eine Menge Istanbuler auf Schnäppchenjagd. In den großen Schaufenstern leuchteten billige Kleidungsstücke in schrillen Farben, Straßenhändler boten Nüsse und gefälschte Uhren an, vor den Läden wurde munter geplauscht, Passanten drängten vorbei, ein Bettler robbte auf Knien über das Gehwegpflaster, Autos verstopften die Straßen.

Es kann losgehen – Hamamprozedur

Als wir schon fast aufgeben wollten, stießen wir endlich auf den Hamam. Nachdem wir uns fast in die Männerabteilung verirrt hätten, wurden wir zum Eingang in den Frauentrakt begleitet, wo uns eine resolute Dame in Empfang nahm, mit Handtüchern ausstattete und in die Umkleide schickte.

Dann brachte sie uns in einen wasserdampf geschwängerten Raum, an dessen Wänden Marmorsimse entlangliefen. Hier hieß sie uns Platz nehmen, jede neben einem kleinen Wasserbecken. Hier sollten wir uns waschen und entspannen.

Zehn oder fünfzehn Minuten später kamen zwei Frauen, winkten uns zu der marmorplattform in der Mitte des Raums und begannen die übliche Prodzedur: Rubbeln, peelen, massieren, einseifen. Wir wurden ganz schön hergenommen: von Kopf bis zur Zehe gerubbelt und anschließend mit duftender Rosenblütenseife eingeschäumt, dann mit einem Schwall Wasser abgewaschen. Etwas seltsam war es ja schon, von einer fremden Frau, die selbst nichts trug als eine Unterhose, derart bearbeitet zu werden. Aber auch sehr entspannend. Besonders toll fand ich das Gefühl danach: die Haut ganz zart und weich und rosig.

Ein Besuch im Hamam ist schon etwas ganz Besonderes. Eigenartig, amüsant und vor allem sehr wohltuend nach einem langen Tag zur Fuß in der Großstadt Istanbul.

Auf der Fähre

Kein Abschied für immer

Dann hieß es leider viel zu schnell wieder Abschied nehmen von dieser großen, lebendigen, vielseitigen Stadt. Ich hatte mir jedenfalls nicht zu viel erwartet: Istanbul ist einfach faszinierend! Mein erster Besuch wird ganz bestimmt nicht mein letzter gewesen sein. ❤

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