Erich Kästner – Ausstellung im Literaturhaus München

Im Literaturhaus München ist noch bis 14. Februar 2016 die Ausstellung „Gestatten Kästner“ zu sehen. Ich war dort und habe vieles über Leben und Werk des Autors erfahren, was mir bisher unbekannt war.

Ausstellungs-Flyer "Gestatten, Kästner!"

Als Kind liebte ich die Bücher von Erich Kästner. Und ihre Verfilmungen, die alten in Schwarz-Weiß ebenso wie die modernisierten. Emil und die Detektive, Das doppelte Lottchen, Pünktchen und Anton, Das fliegende Klassenzimmer… nicht wegzudenken aus dem Bücherregal meiner Kindheit!

Und vor zwei Jahren entdeckte ich in einem Antiquariat Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee (1931), einen Kinderroman, den ich bis dahin gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich fand die verrückte Geschichte um Konrad und seinen Onkel Ringelhuth, die eine fantastische Reise in die Südsee unternehmen, sehr amüsant. Und dass Kästner die Erfindung eines mobilen Telefons phrophezeite, das Großstädter in ihrem hektischen Alltag nutzen, überraschte und belustigte mich zugleich: in der automatisierten Stadt Elektropolis begegnen Konrad und Ringelhuth einem Mann, der eine Nummer in sein „Taschentelefon“ spricht und anschließend seiner Gattin mitteilt, er werde erst eine Stunde später zum Mittagessen kommen… Im Jahr 1931 sah Erich Kästner die Zukunft der Kommunikationstechnologie voraus! Und auch andere Details im Kapitel über Elektropolis wirken für heutige Leser gar nicht mehr wie Zukunftsmusik, etwa die automatisierten Autos…

Die wunderbaren Kinderbücher Erich Kästners, aber auch seine großartige Gedichte und sein Prosawerk für Erwachsene lässt derzeit das Literaturhaus München aufleben.

„Gestatten, Kästner“ – Die Ausstellung

In der Ausstellung „Gestatten, Kästner“ werden die Lebensstationen des vielgeliebten Autors  aber auch des Menschen Erich Kästner beleuchtet. In Schaukästen können die Besucher Fotos, Briefe, Zeitungsartikel und Manuskript-Auszüge betrachten und sich über seine Kindheit, seine Beziehung zu den Eltern, seine ersten Erfolge als Schriftsteller oder seine Jahre im Inneren Exil informieren.

Auch per Audioguide kann man sich Kästner annähern: mal gibt es O-Töne, etwa eine Lesung seines berühmten Gedichts „Sachliche Romanze“, zu hören, dann wieder vertonte Ausschnitte aus Briefen oder autobiographischen Werken wie Als ich ein kleiner Junge war (1957).

Auf großen Kuben im Zentrum des Ausstellungsraum laufen unentwegt Filmbilder, die den Besucher in die Welt des Schriftstellers entführen: alte Aufnahmen von Leipzig, wo Kästner studierte, Berliner Straßenszenen, Aufnahmen der Nürnberger Prozesse, von denen Kästner vor genau 70 Jahren für die Neue Zeitung berichtete.

Doch neben den historischen Aufnahmen sind auch Verfilmungen von Kästners Werken zu sehen: von den zauberhaften Pünktchen und Anton über die Drei Männer im Schnee bis hin zur Konferenz der Tiere, die Kästner im Angesicht des Kalten Krieges ersann.

In der Ausstellung erfuhr ich viel Neues über Kästner und lernte von Seiten des Autors, über die ich bisher nichts oder nur wenig gewusst hatte. Besonders interessant fand ich, mehr über seine Erfahrungen währen der NS-Zeit und seine innere Zerissenheit zu lesen. Auch von Erich Kästners Privatleben, besonders seinem Verhältnis zu den Frauen, hatte ich bisher kaum Ahnung.

Flyer des Literaturhauses München

Noch bis zum 14.02.2016 ist die Ausstellung über Erich Kästner zu sehen.

Der München-Bezug fehlte mir

Allerdings hatte ich mir erhofft, mehr über Kästners Lebensjahre in München zu erfahren. Denn wie im Ausstellungsflyer betont wird, lebte er 30 Jahre lang in der bayerischen Hauptstadt. Doch der München-Bezug fehlte beinah gänzlich. Das fand ich sehr schade. Zu gern hätte ich gewusst, an welchen Orten Kästner sich in München gern aufgehalten hatte, in welchen Cafés er gearbeitet und welche Leute er getroffen hatte.

Auch die Aufstellung der Schaukästen fand ich nicht besonders gut gelöst. Zwischen den Kästen und der Wand hat man nur einen schmalen Gang freigelassen, wo sich bei größerem Besucherandrang alles drängt und staut. Ein wenig mehr Luft und Raum hätte ich mir gewünscht, um die Ausstellung noch mehr zu genießen und die vielen Texte und Hörproben konzentrierter aufzunehmen.

Fazit

Aber alles in allem gefiel mir „Gestatten, Kästner“ gut. Wer sich bisher noch nicht allzu ausführlich mit Person und Werk Erich Kästners auseinandergesetzt hat oder sein Wissen auffrischen möchte, dem sei die Ausstellung empfohlen und ans Herz gelegt.

Schmökerstunde im Fabian

Nach meinem Ausstellungsbesuch setzte ich mich noch auf ein Stück Sachertorte ins Café des Literaturhauses und las die Gedichte Kästners, die in der Ausstellung zum Mitnehmen ausgelegt waren.

Dann schmökerte ich etwas in meiner Ausgabe des Fabian, die ich mit dabei hatte. Ein Buch, in dem man immer wieder lesen kann. Es gibt darin so vieles zu entdecken – gerade bei und nach dem Gang durch die  Ausstellung waren mir allerhand autobiographische Bezüge aufgefalle: Kästners Pseudonym Fabian (eines von vielen freilich) – das Leben in der großen, verworrenen, aufregenden Großstadt Berlin in der Zwischenkriegszeit – die Dame in der Straßenbahn, die aussieht wie Friedrich der Große und Fabian die Flucht ergreifen lässt (Kästner hatte über Friedrich den Großen promoviert)…

Erich Kästner: Fabian (Roman)

Fabian – Kästners zeitloser Roman über einen Moralisten

Doch neben solchen kleineren und größeren Entdeckungen, besticht das Buch durch seine zeitlose Gültigkeit. Sieht man von ein paar inhaltlichen oder sprachlichen Eigenheiten ab, könnte Fabian auch im Jahr 2015 spielen, in Berlin oder einer anderen großen Stadt. Zu gern würde ich wissen, wie Erich Kästner seinen Fabian im 21. Jahrhundert gestalten und was er ihn sehen und erleben lassen würde…


Mehr zur Ausstellung erfahrt ihr auf der Website vom Literaturhaus München.

Die Bücher von Erich Kästner erscheinen im Atrium Verlag.

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6 Gedanken zu “Erich Kästner – Ausstellung im Literaturhaus München

    • Ja, die Ausstellung ist definitiv einen Besuch wert! Ich habe mir schon überlegt, ein bisschen zu Kästners Zeit in München zu recherchieren und einfach mal selbst auf seinen Spuren durch München zu wandeln. Mal sehen…

  1. Ich habe mir die Ausstellung gestern angeschaut und fand sie ebenfalls ziemlich gelungen und sehenswert. Deine Kritikpunkte kann ich allerdings gut nachvollziehen, wobei die räumliche Aufteilung wohl auch dem nicht gerade massig vorhandenen Platz im Ausstellungsraum geschuldet war.

    Ich habe jedenfalls doch große Lust bekommen, die alten Bücher aus meiner Kindheit mal wieder hervorzukramen und ein paar Wintersonntage mit Kästner-Verfilmungen zu verbringen. 🙂

    • Stimmt, die Ausstellung macht wirklich große Lust, mal wieder in den alten Kinderbüchern zu blättern und die Verfilmungen anzusehen. Ich bin gerade dabei, den „Fabian“ neu zu entdecken. Aber danach kommen vielleicht „Pünktchen und Anton“ oder das „Doppelte Lottchen“ dran… 🙂
      Viel Spaß dir beim Schmökern und Filme-Schauen!

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