Markt der unabhängigen Verlage: Bunt, vielfältig, inspirierend

Am 5. und 6. Dezember fand im Münchener Literaturhaus der Markt der unabhängigen Verlage unter dem Motto „Andere Bücher braucht das Land“ statt. Die Termine hatte ich mir schon dick im Kalender angestrichen und verbrachte den halben Nikolaus-Tag damit, mir die vielen Stände und ihr buntes Programm an Büchern anzusehen. Dabei machte ich eine Menge toller Entdeckungen und kehrte mit einer wunderbaren Ausbeute heim…

Über den Dächern von München, im dritten Stock des Literaturhauses, summte es am Sonntagnachmittag so betriebsam wie in einem Bienenstock. Zwischen den Ständen schwirrten die Bücherliebhaber umher, angelockt von den bunten, verheißungsvollen Covern und den bedruckten Seiten dazwischen.

Auch ich ließ mich sofort von dieser Athmosphäre anstecken und summte mit: Graphic Novels und Comics, Fotobände und wiederentdeckte Klassiker, Lyrikbände und Bilderbücher, Jugendliteratur und Biographien… Es gab einfach alles und vor allem: unglaublich inspirierende, schön gestaltete Bücher aller Couleur, denen man anmerkt, dass sie mit Liebe gemacht wurden.

Ich kann unmöglich jeden einzelnen der ausstellenden Verlage vorstellen, aber für alle Interessierten sind sie auf der Seite des Literaturhauses aufgelistet.

Jung und Jung

Das Programm des Salzburger Jung und Jung Verlags fesselte mich eine ganze Weile. Ein Buch schien mir interessanter als das andere. Die sympathische Frau am Stand, Anna Jung, erzählte mir sogleich die Geschichte hinter Chita, dem Roman, der mich wie magisch angezogen hatte. Der Autor mit dem etwas befremdlich klingenden Namen Lafcadio Hearn war mit komplett unbekannt – eine spannende Wiederentdeckung. Hearn, so erzählt mir Frau Jung, war Sohn einer Griechin und eines Iren und kam in seinem Leben viel herum: Griechenland, Irland, Amerika, Japan… In das „Land der aufgehenden Sonne“ und eine Sumarai-Tochter verliebte er sich und lebte lange Jahre dort. Bis heute ist Hearn in Japan für seinen Erzählband „Kwaidan“ berühmt. Eine eher ungewöhnliche Biographie für einen Mann aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Chita (1888) erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das nach einem schweren Hurrikan gerettet wird. Ihre Eltern sind verschwunden…

BR 2 hat in den Radiotexten ausführlich über Chita und Lafcadio Hearn berichtet: *klick*

tolle Bücher unabhängiger Verlage

Chita und Die mittleren Jahre (links) erstand ich bei Jung und Jung. Die Buchcover zogen meinen Blick wie magisch an.

Ich kaufte das Buch natürlich, ebenso wie ein schmales, rotes Bändchen mit der Erzählung „Die Mittleren Jahre“ von Henry James. Eigentlich konnte ich mit James bisher nicht viel anfangen (abgesehen von „The Turn of the Shrew“), doch diesem feinen Büchlein konnte ich nicht wiederstehen. Es ist ideal, um auf die Parkbank oder eine kurze Zugfahrt migenommen zu werden und unterwegs für ein bisschen Lesefreude zu sorgen.

Edition Büchergilde

Dass die Bücher der Edition Büchergilde großartig sind, muss ich anderen Bücherliebhabern vermutlich nicht lang und breit erzählen. Die Bücher sind eine Augenweide! Etwa die Neuausgabe von Rudyard Kiplings Über Bord finde ich toll gelungen: die großartign Illustrationen und die liebevolle Ausstattung (eine Tasche samt Seekarte im Einband) lassen jedes Leserherz höher schlagen.

Aber am Stand des Frankfurter Verlags zog vor allem ein literarisches Quartett meine Aufmerksamkeit auf sich: „Des Pudels Kern“ besteht aus 32 illustrierten Karten samt Begleitbüchlein und verrät spannende und amüsante Anekdoten rund um Werke der Weltliteratur. „Literarische Zockerfreunde“, so der Verlag, können hier ihr Wissen testen: „Wie alt war Goethe als er den „Faust“ schrieb? War „Der Fänger im Roggen“ ein Debüt? Und welcher Roman ist umfangreicher – „Frankensteins Monster“ oder „Dracula“?“

Die Idee für „Des Pudels Kern“ stammt übrigens von Lektorin Andrea Baron, die mir das Spiel und sein Konzept am Stand voller Begeisterung erklärte. Auch von der Zusammenarbeit mit Illustratorin Julia Krusch schwärmte sie, die gleich intuitiv die Idee hinter dem Quartett verstanden und die großartigen Bilder dafür geschaffen habe.

Ich war nicht die einzige, die sich für das Literaturquartett interessierte. Bevor ich an den Stand trat, war es bereits weggegangen wie warme Semmeln. Aber kein Problem: Ich trug mich einfach in die Bestellliste ein und freue mich jetzt auf und bekam prompt heute Post von der Edition Büchergilde. 🙂

edition fünf

Vom Verlag edition fünf hatte ich schon gehört und war neugierig auf sein Programm: Dieser kleine Münchner Verlag hat sich der Literatur aus weiblicher Feder verschrieben und interessiert sich dafür, was und wie Frauen erzählen. Autorinnen wie Virginia Woolf oder Sylvia Plath gehören da naturgemäß zum Programm.

In der Selbstbeschreibung auf der Verlagsseite heißt es:

Wir verlegen Bücher, die wir selbst uns im Regal oder auf dem Nachttisch wünschen, von Autorinnen, die wir vermisst haben. Weil ihre Texte unsere Herzen höher schlagen lassen, uns begeistern und uns ein bisschen klüger machen.

Die ausgestellten Bücher der edition fünf schienen mir alle spannend. Aber angetan hatte es mir gleich Ein Haus mit vielen Zimmern. Autorinnen erzählen vom Schreiben. Erzählungen, Essays und Gedichte.

Plakat mit den Namen der Autorinnen, die edition fünf publiziert.

Die im Band „Ein Haus mit vielen Zimmern“ versammelten Autorinnen.

Darin geht es um den Akt des Schreibens und das „Schrifstellerin-Sein“ aus der Sicht unterschiedlicher Autorinnen, von Virginia Woolf bis Ali Smith. Ein Thema, das mich immer wieder wahnsinnig fasziniert. Es war also kein Wunder, dass ich bei diesem Buch zuschlug. Und eine hübsche Stofftasche mit dem aufgedruckten Verlagsmotto „Leseglück zum Weitertragen“ bekam ich obendrein.

Hirschkäfer Verlag

Am Stand des Münchener Hirschkäfer-Verlags reizten mich die Stadtteil-Bücher, die dazu gedacht sind, Münchnern ihre Stadt näher zu bringen. Ich entschied mich für die Isarvorstadt mit Glockenbach- und Schlachthofviertel, Gärtnerplatz und Südlichem Friedhof. Auf letzterem gehe ich gerne spazieren und möchte bald einmal über die berühmten Persönlichkeiten bloggen, die dort begraben liegen, von Carl Spitzweg bis Leo von Klenze. Durch den Stadtteilführer erhoffe ich mir ein paar tiefere Einsichten in Geschichte und Wesen der Isarvorstadt.

Bücher und Prospekte vom Markt unabhängiger Verlage

Meine Ausbeute: Bücher, Postkarten und Verlagsprogramme

Mein Fazit zum Markt der unabhängigen Verlage

Keine Mainstream-Literatur, keine billige Ware vom Bücherwühltisch, sondern ausgesuchte Werke für anspruchsvolle Leser wurde da am zweiten Adventswochenende in München präsentiert. Zwar widmete ich manchen Ständen nur wenig Aufmerksamkeit und anderen wiederum sehr viel, eben ganz meinen Vorlieben und Interessen geschuldet. Aber ich fand es definitiv sehr spannend, so viele unterschiedliche Bücher kennenzulernen, die mir in einer Buchhandlung gar nicht auffallen würden, einfach, weil sie im „falschen“ Regal stehen.

Der Forderung „Andere Bücher braucht das Land“ sind all diese ehrgeizigen, buchbegeisterten und engagierten Verlage längst nachgekommen.

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2 Gedanken zu “Markt der unabhängigen Verlage: Bunt, vielfältig, inspirierend

  1. Das hört sich nach einer sehr gelungenen Veranstaltung an. Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr, da einmal vorbeizuschauen. Zeitlich lässt sich das ja auch wunderbar mit einem Besuch der Bücherschau verbinden.

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