Tukan-Preis 2015 für Lilian Lokes Debüt „Gold in den Straßen“

Am Mittwochabend wurde der Tukan Preis 2015 an die junge Münchener Autorin Lilian Loke verliehen. Ausgezeichnet wurde ihr Romandebüt Gold in den Straßen.

Glücklicherweise hatte mich meine Schwester darauf hingewiesen, sonst hätte ich diese Preisverleihung ganz verpasst. Sie fand im Literaturhaus statt (dort bin ich mittlerweile Dauergast, habe ich das Gefühl 😉 ) und wurde von der Cellistin Bridget MacRae musikalisch umrahmt. Nach der Begrüßung durch die Bürgermeisterin Christine Strobl, als Vertreterin der Stadt, und durch Hans-Dieter Beck, als Vertreter des Tukan-Kreises, hielt der Anglist Prof. Christoph Bode die Laudatio für Lilian Loke und ihren Roman, in dem es um die Macht des Geldes und die Gier geht.

Lob für Gold in den Straßen

Von allen drei Rednern wurde Gold in den Straßen hochgelobt, was bei einer Preisverleihung natürlich auch zu erwarten ist. Bode nannte Lilian Loke  gar in einem Atemzug mit Vladimir Nabokov und Henry James, nämlich insofern, dass sie eine wahre „Technikerin“ sei, die an ihren Werken immer wieder feilt und mit einer großen Präzision schreibt. Was sie schildere, das sitze; sie verliere sich nicht in unwichtigen Details. Und sie habe eine unglaublich gute Beobachtungsgabe, darin waren sich alle Redner einig: Loke beschreibe ihre Figuren, deren Milieu und Sprache sehr scharfsinnig.

Bodes Laudatio war sehr kurzweilig und, wie von ihm schon zu Beginn versprochen, „überhaupt nicht wissenschaftlich“. Statt den Roman trocken zu sezieren, zeigte der Professor sehr anschaulich die Stärken des Buches und der Autorin.

Lesung von Lilian Loke

Als im Anschluss Lilian Loke zwei Stellen aus ihrem Roman las, konnte ich mich selbst von ihrer starken, präzisen Sprache und ihren scharfsinnigen Schilderungen überzeugen. Ihrer angenehmen Erzählstimme hörte ich sehr gerne zu und fand es wirklich schade, als die Lesung vorbei war. Da hilft wohl nur: selber weiterlesen.

Das Buch: Gold in den Straßen

Der Klappentext:

Thomas Meyer ist Makler für Luxusimmobilien und ein brillanter Verkäufer. Süchtig nach der Kontrolle und Manipulation spürt er jede Regung seiner Kunden, spielt mit ihren Wünschen und verwandelt diese für seine Firma in Gold. Thomas kommt aus einfachen Verhältnissen und hat den Aufstieg in die Welt des schnellen Geldes geschafft, der nächste Karrieresprung zum Greifen nah. Als sein Vater stirbt, wittert Thomas das große Geschäft. Die geerbte Schuhmacherei steht auf lukrativem Baugrund. Der Coup könnte Meyers größter Erfolg oder auch sein größter Fehler werden.

erschienen ist der Roman bei Hoffmann und Campe.

In der Jury-Begründung heißt es:

Gold in den Straßen – souverän erzählt, präzise in Sprache, Rhythmus und Struktur – ist das Psychogramm einer verlorenen Seele, die Geld zum Zahlungsmittel ihrer Ängste, Schmerzen und Niederlagen macht.

Die Autorin: Lilian Loke

  • 1985 in München geboren
  • Studium der Englischen Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Neueren deutschen Literatur
  • 2011 Schreibwerkstatt-Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung, Publikumstagespreis des Literaturfestivals Wortspiele München, Literaturstipendium der Landeshauptstadt München
  • 2012 Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin
  • arbeitet heute in einer PR-Agentur

Besonders eingeprägt hat sich mir die Tatsache, dass Lilian Loke ihren Debütroman gewissermaßen „nebenbei“ geschrieben hat – trotz Vollzeitjob in einer Agentur! Am Abend bleiben ihr eineinhalb und am Morgen eine halbe Stunde zum Schreiben, wie Bode in seiner Laudatio erwähnte. Dass sie auf diese Weise einen so vielgelobten, hervorragenden Roman schreiben konnte, ist wirklich beendruckend.

Der Preis

Der Tukan-Preis wird jährlich von der Stadt München gemeinsam mit dem Tukan-Kreis München verliehen. Er ist mit 6000 Euro dotiert und wird für „die formal und inhaltlich beste belletristische Neuerscheinung“ eines/einer Münchener Autors/Autorin verliehen.

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