Sherlock Holmes und der Hund aus der Hölle

Seit ich die BBC-Serie Sherlock für mich entdeckte, habe ich mir vorgenommen, die Abenteuer des originalen Sherlock Holmes wieder zu lesen. The Hound of the BaskervillesDer Hund von Baskerville ist der wohl berühmteste Fall dieses wohl berühmtesten aller literarischen Detektive. Und wie ich auch beim Wiederlesen feststellen musste: ganz zu recht. Auch nach über hundert Jahren sorgt das Geheimnis von Dartmoor beim Lesen für wohlige Schauer und echten Grusel…

Colectors' Library: Sherlock Holmes

 

„… the footprints of a gigantic hound!“

Sir Charles Baskerville ist unter äußerst merkwürdigen Umständen zu Tode gekommen: der wohlhabende, aber herzkranke Hausherr von Baskerville Hall starb offenbar von großem Entsetzen ergriffen am Rande seines Grundstücks in Dartmoor. War er Opfer des Höllenhundes geworden, der die Familie Baskerville seit Jahrhunderten verfolgt? Die riesigen Pfotenabdrücke, die neben der Leiche entdeckt worden waren, lässt dies vermuten… Oder steckt doch eine menschliche Intrige hinter diesem mysteriösen Todesfall?

Sherlock Holmes und sein getreuer Dr. Watson nehmen sich des Falles an, entschlossen, Sir Charles‘ jungen Erben, Henry Baskerville, vor Unheil zu schützen…

Im Moor von Dartmoor – Schauplatz von Mördern und mörderischen Hunden

Das Moor kommt nicht besonders gut weg bei Arthur Conan Doyle. Es muss als Setting eines mysteriösen und schauerlichen Kriminalfalls herhalten. Nicht nur der wahre Mörder von Sir Charles Baskerville treibt dort sein Unwesen, auch ein entflohener Häftling – ein grausamer Serienmörder –  verbirgt sich in der eintönigen, tristen Landschaft von Dartmoor. Der Sumpf verschlingt alles, was seinen Fuß falsch aufsetzt. Und nicht nur die kleinen Moorponies fallen ihm zum Opfer… Und zu alledem lässt sich von Zeit zu Zeit ein schauerliches Heulen hören, wie von einem unsichtbaren, dämonischen Hund.

Dartmoor ist der ideale Schauplatz für Doyles Roman. Ein Ort, geheimnisvoll und unheimlich zugleich, reich an Geschichte und Geschichten. Tagsüber stimmt die Landschaft zwar melancholisch, aber wirkt zugleich friedlich: Hier machen Henry Baskerville und Watson ihre Spaziergänge und besuchen Bekannte: den Schmetterlingsexperten Stapleton, der mit seiner schönen Schwester mitten im Moor lebt.

Aber die Frage aller Fragen ist: Was hat es mit dem Fluch der Baskervilles auf sich und wer könnte Sir Henry nach dem Leben trachten?

 

Als Schülerin las ich The Hound of the Baskervilles zum ersten Mal. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich damals richtig überrascht war, wie gruselig ich die Geschichte fand. Ich hatte den Roman mit der Vorstellung aufgeschlagen, dass es sich dabei um irgendeine alte, etwas angestaubte Detektivgeschichte handele – doch dann verschlang ich Seite um Seite und fieberte der Auflösung der unheimlichen Vorgänge in Dartmoor entgegen…

Jetzt, beim Wiederlesen, ging es mir sehr ähnlich. Zwar konnte ich mich an wesentliche Punkte der Handlung noch erinnern, aber trotzdem fand ich die Geschichte unglaublich spannend.

Doyle verstand es wirklich meisterhaft, Spannung aufzubauen und zu steigern. Kein Detail, kein Dialog ist überflüssig, alles sitzt und der Leser ist vom ersten Satz an gefesselt. Ein echter Lesegenuss, der nur leider viel zu schnell wieder vorbei ist.

Die Geschichte hinter der Geschichte

Als Arthur Conan Doyle The Hound of the Baskervilles 1902 in Buchform veröffentlichte, befand sich auf der Buchinnenseite eine kleine Notiz, in der er seinem Freund Bertram Fletcher Robinson dankte, der ihm die Legende des Hundes von Dartmoor erzählt und mit den Details geholfen habe. Mehr erwähnte Doyle nie. Aus späteren Auflagen des Romans, nach Robinsons Tod, verschwanden die Dankesworte gänzlich.

Doch David Stuart Davies rekonstruiert die Geschichte hinter dem Hund von Baskerville im Nachwort meiner Ausgabe von The Hound of the Baskervilles: Der Holmes-Experte schildert detailgenau, wie Doyle zu der Idee kam. Und zwar begann alles mit einem Golf-Urlaub, den er und der Journalist Bertram Fletcher Robinson in Norfolk verbrachten. Eines Abends im Hotel erzählte Robinson die Geschichte eines Geisterhundes, der der Legende nach nahe seines Heims im Moor von Dartmoor sein Unwesen treiben sollte. Auch ein schurkischer Adeliger, der im 17. Jahrhundert einem Pack Jagdhunde zum Opfer gefallen sein soll, kam in Robinsons Erzählungen vor.

Doyle war offenbar fasziniert – und die Grundlage für den Hund von Baskerville somit geschaffen. Laut David Stuart Davies war  Arthur Conan Doyle „a great literary beachcomber“: er sammelte Informationen und Anregungen, wo er sie nur finden konnte, und verwandelte sie schließlich in Geschichten.

So geschah es auch mit der Folklore, die ihm Robinson erschlossen hatte. Die beiden Männer spannen während ihres Urlaubs die Geschichte um den dämonischen Hund und die Bedrohung einer adeligen Familie weiter. In einem Brief an seine Mutter schrieb Doyle sogar, er und Robinson arbeiteten zusammen an einem kleinen Buch.

Davon war später nicht mehr die Rede. Nach Robinsons Tod schrieb Doyle 1929 in der Einführung zu Sherlock Holmes: The Complete Long Stories, die „Bemerkung“ („remark“) seines Freundes über den Geisterhund  von Dartmoor habe als Inspiration gedient: „… but I should add that the plot and every word of the narrative was my own“.

Wollte Arthur Conan Doyle seinen Ruhm für den Hund von Baskerville etwa nicht teilen?

Sherlocktüre

Die Wiederauferstehung von Sherlock Holmes

Doyle, der dank der Figur des Sherlock Holmes als Autor berühmt geworden war, brachte seinen genialen Detektiv bekanntermaßen 1893 um: In der Geschichte „The Final Problem“ kam Holmes beim Zweikampf mit seinem Erzfeind Moriarty im Reichenbachfall zu Tode.

Doch als Doyle den Roman um den Geisterhund von Dartmoor ersann, musste er feststellen, dass Sherlock Holmes der ideale Held für eine solche Geschichte wäre. Widerwillig ließ er seinen alten Helden also wieder auferstehen – zum Jubel seiner Verleger und der Holmes-Fans.

Lesetipp:

Wenn ihr Lust auf mehr Sherlock Holmes habt, schaut doch mal bei Der Buchbube vorbei – Christoph hat dort in seinem „Sher-Blog“ die berühmte „Studie in Scharlachrot“ rezensiert.

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2 Gedanken zu “Sherlock Holmes und der Hund aus der Hölle

  1. Danke für die Erwähnung! Ich stecke zur Zeit etwas fest mit der Sherlock-Holmes-Lektüre, weil ich momentan einfach zu viel anderes zum Lesen habe (Weihnachten hat die Situation nicht entschärft — ganz im Gegenteil 😉 ). Demnächst geht es aber ganz bestimmt weiter…

    Mit „Mr. Holmes“ läuft ja seit letzter Woche auch noch ein neuer Sherlock-Holmes-Film in den Kinos, der sich auch recht interessant anhört, wie ich finde.

    • Ach, ich kenne das nur zu gut. Es gibt eben immer wieder Bücher, die einem so dazwischenrutschen und denen man nicht widerstehen kann… Weihnachten hat mir auch so viele tolle Bücher beschert, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen 😉
      Auf jeden Fall bin ich gespannt, welchen Holmes-Fall du als nächstes besprechen wirst. 🙂 Und stimmt, der neue Sherlock-Holmes-Film könnte sehenswert sein, hab erst heut im Radio davon gehört und überlegt, ob ich mir den anschaue. Mal sehen…

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