Die Besten von 2015 – Meine 10 Lieblingslektüren

Es naht die Silvesternacht, es naht 2016 – und damit ein neues Lesejahr mit hoffentlich sicherlich vielen spannenden Lektüren! Da ist es jetzt an der Zeit, Rückschau zu halten: auf mein Lesejahr 2015 und die 10 Bücher, die mich in den vergangenen zwölf Monaten besonders beeindruckt haben.

lektüren2015

Ich habe 2015 allerhand gelesen und habe dabei alte Bekannte (Arthur Conan Doyle, Carol Ann Duffy, Erich Kästner…) wiederentdeckt und neue Favoriten (Leo Perutz, Guillermo Martínez, Wolf Haas…) aufgespürt. Über einige meiner Lektüren habe ich gebloggt, über manch andere würde ich bei Gelegenheit gerne noch auf Worte und Orte berichten.

Einige meiner liebsten Bücher (und Autoren) meines ganz persönlichen Lesejahres 2015 will ich euch jetzt präsentieren. Doch es ist einfach unmöglich, eine klassische Top-10-Liste zu verfassen und die Bücher nach dem Schema „gut, besser, am besten“ zu bewerten. Jedes davon hat mich beeindruckt und mich als Leserin ein wenig geprägt. Manche haben mich zum Lachen gebracht (etwa die Krimis von Wolf Haas), andere haben mich nachdenklich gestimmt (etwa Erich Kästners Fabian) und wieder andere haben mich wunderbar spannend unterhalten (etwa der Sherlock-Holmes-Roman The Hound of the Baskervilles).

Langer Rede kurzer Sinn: Voilá, meine Lieblingsbücher 2015:

Erzählungen/ Kurzgeschichten

Julie Orringer: Unter Wasser atmen

2015 war für mich das Jahr der Wiederentdeckungen und des Erneut-Lesens. Zu meinen Re-Lektüren zählt zum Beispiel der Geschichten-Band Unter Wasser atmen der Amerikanerin Julie Orringer. Die Storys rund um das Reifen, Erwachsenwerden, Zu-Sich-Selbst-Stehen beeindruckten mich ebenso stark wie schon zehn Jahre zuvor. Meine Lieblingsgeschichten stellte ich euch in diesem Blogpost vor.

Guillermo Martínez: Gewaltige Hölle

Irgendwann im Spätsommer oder Herbst las ich den wunderbaren Erzählband Gewaltige Hölle des Argentiniers Guillermo Martínez. Als „Borges‘ Meisterschüler“ wird der Autor bezeichnet, dessen Geschichten gerne mal ins Absurde gehen, ins Groteske, die Realität und ihre Grenzen ausloten.

Da geht einem Frisör die Frau verloren und böse Gerüchte führen zu einer unseligen Leichenbuddelei. Und ein Matehmatikprofessor muss vor seinen plötzlich mordlustig gewordenen Studenten fliehen. Ein junger Doktorand verschwendet seine Tage damit, seine nymphomanische Nachbarin zu beobachten und ein anderer beobachtet  sein ganzes Leben lang eine Familie, die ausnahmslos glücklich zu sein scheint, und versucht, hinter ihr Geheimnis zu kommen.

Ich musste beim Lesen ein wenig an Kafka und ein wenig an Cortázar denken. Jede der Erzählungen entwickelt eine ganz eigene Sogkraft: Sie zieht den Leser für ein paar Seiten in die Welt ihres Protagonisten hinein und wenn plötzlich die Geschichte zuende ist, entlässt sie ihn ein wenig verwirrt und voller Fragen. Es gibt keine „Lösung“, keine alles erklärende Pointe.

Vermutlich sind Martínez‘ Geschichten deshalb so „typisch argentinisch“, weil sie trotz aller Andeutungen am Schluss rätselhaft und unerklärlich bleiben. Ist es so oder scheint es nur so?

Lyrik

Carol Ann Duffy: Selected Poems

Meine schottische Lieblingsdichterin, deren Werke ich immer wieder gerne lese, stellte ich euch im November vor. Ich liebe es, wie Duffy mit Leichtigkeit in unterschiedliche Gestalten schlüpft und ihre Persönlichkeiten in wenigen Worten unglaublich treffend wiedergibt: sei es ein jugendlicher Gewalttäter, eine Liebende, ein junges Mädchen oder Shakespeares Ehefrau Anne Hathaway.

Romane

Leo Perutz: Zwischen neun und neun

1918 erschien dieser fabelhafte Roman von Leo Perutz, der dem verschrobenen Studenten Stanislaus Demba quer durch Wien folgt. Irgendetwas stimmt mit ihm nicht, aber was?

Ein amüsantes und kurzweilges Lesevergnügen, das mich bestens auf meine Wien-Reise im Juni einstimmte. Dort begab ich im Alsergrund gleich auf literarische Spurensuche.

Erich Kästner: Fabian

Nach dem Besuch der Erich-Kästner-Ausstellung im Literaturhaus München schlug ich den Fabian wieder auf. 2013 hatte ich ihn schon einmal gelesen, doch diesmal gefiel mir der Roman noch viel besser. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie hellsichtig Kästner über die Zustände im Deutschland der ausgehenden Weimarer Republik schreibt und wie viel er schon vorausahnt, ja durch den Moralisten Jakob Fabian prophezeit.

Mercé Rodoreda: Der Garten über dem Meer

Als ich an Heiligabend den Bücherstapel unterm Christbaum entdeckte, der für mich gedacht war, musste ich mir meine Überraschung sehr verkneifen: Mein Vater hatte für mich Der Garten über dem Meer der katalanischen Schriftstellerin Mercé Rodoreda ausgesucht. Genau das Buch, mit dem ich wiederum meine Schwester beschenkte!

(Nunja, ihre Ausgabe haben wir inzwischen gegen den Erich-Kästner-Band Der Herr aus Glas eingetauscht. Dafür darf die gesamte Familie in „meiner“ Rodoreda-Ausgabe schmökern.)

Dieses wunderbare Buch las ich gleich an den Weihnachtsfeiertagen. Und danach war ich traurig, dass es schon vorbei war… Eine schöne, sehr einfühlsam erzählte Geschichte, die ein wenig an The Great Gatsby erinnert. Bald möchte ich auch darüber bloggen, dann schildere ich euch meine Eindrücke vom Garten über dem Meer ein wenig genauer!
Meine Eindrücke habe ich hier ausführlich beschrieben.

Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes

Suter begeisterte mich im Sommer: Ein spannender Thriller um einen Mann, der scheinbar alles hat und der im Laufe der Geschichte immer tiefer fällt.

Ich fand es unglaublich faszinierend, dem Antihelden Urs Blank zu folgen, wie er sich vom rücksichtsvollen, beherrschten Mann von Welt zunehmend zum egoistischen, groben, skrupellosen Einzelgänger entwickelt, der seinen Trieben und Aggressionen folgt ohne nennenswerte Schuldgefühle zu entwickeln…

Krimis und Detektivromane

Wolf Haas: Silentium

Ich hatte den Haas-Krimis nie viel Aufmerksamkeit geschenkt, doch als mir dann Silentium in die Hände fiel, war ich hellauf begeistert: Genau die richtige Lektüre für heiße Sommertage, spritzig, witzig und rabenschwarz….

Pablo de Santis: Crímenes y jardines

Die Kriminalromane des Argentiniers Pablo de Santis haben es mir angetan. 2014 bloggte ich über Die Fakultät und Die Übersetzung.

Im Februar diesen Jahres kaufte ich mir in Buenos Aires Crímenes y jardines, das es leider noch nicht auf Deutsch gibt. Ein spannender und rätselhafter Krimi, der den Leser ins Buenos Aires des Fin de Siécle entführt. Und der richtig Lust auf die Parks und Gärten von Buenos Aires macht.

Arthur Conan Doyle: The Hound of the Baskervilles

Erst wenige Tage es her, dass ich über diesen Sherlock-Holmes-Klassiker bloggte. Auch beim Wiederlesen war die Detektivgeschichte ein echtes Vergnügen, unglaublich spannend und einfach toll erzählt.

Auf ein neues Lesejahr!

Ich bin schon sehr gespannt, wie es 2016 weitergeht. Welche Entdeckungen werde ich machen? Welche Klassiker wiederlesen?

Das Christkind hat mir einige schöne Bücher gebracht und im Regal tummeln sich auch allerhand Anwärter, die endlich, endlich (!) gelesen werden wollen. Also, langweilig wird es sicher nicht 😉

* Euch, liebe Leser, wünsche ich nun einen guten Rutsch hinein in 2016 und ein neues Jahr voll großartiger Leseabenteuer! *

Und was waren eure Favoriten 2015? Welches Buch hat euch ganz besonders beeindruckt?

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2 Gedanken zu “Die Besten von 2015 – Meine 10 Lieblingslektüren

  1. Moin.

    Den meisten Eindruck im Bereich Sachbuch hat D.G.Haskell, „Das Verborgene Leben des Waldes“, hinterlassen; gefolgt von Klemperers Revolutionstagebuch 1919.

    Bei den Romanen war es Kiplings „Über Bord“, eine famose Wiederentdeckung.
    „Der Garten über dem Meer“ war aber auch toll.

    Dir natürlich auch die besten Wünsche für das kommende Jahr.
    LG Erich

    • Hallo Erich, die Titel klingen alle sehr interessant – danke für die Anregungen! Kiplings „Über Bord“ will ich auch gerne mal lesen, ich hatte die schöne Ausgabe von der Büchergilde schon mehrmals in der Hand…
      LG, Stefanie

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