Salzkammergut im Frühling: 3 Stationen in der See(le)nlandschaft

„Das Salzkammergut ist ein landschaftlich und historisch geprägter Kulturraum in Österreich, am Nordrand der Alpen.“ So heißt es ganz sachlich bei Wikipedia.Dagegen schreibt salzburg.info schon wesentlich bildhafter: „Das legendäre Salzkammergut war schon zu Kaiserzeiten ein echter Sehnsuchtsort: die glitzernden Seen liegen eingebettet zwischen Bergen und Wäldern und laden zum Verweilen ein.“

Traunkirchen am Traunsee

Über das Osterwochenende besuchte ich diesen „echten Sehnsuchtsort“, diesen „Kulturraum am Nordrand der Alpen“. Wie schon vor zwei Jahren hatte ich das Buch „Nachsommertraum im Salzkammergut“ von Dietmar Grieser im Gepäck, in dem sich so viel Interessantes über die verschiedenen Orte nachlesen lässt – und vor allem über die Menschen, die dort im 19. und frühen 20. Jahrhundert Urlaub machten oder für immer dort ihre Residenz bezogen: Unter den Salzkammergut-Liebhabern waren Operndiven und Schriftsteller, Operettenschriftsteller und Komponisten, berühmte Ärzte und oscarverwöhnte Schauspieler.

Doch ganz abgesehen, von den Erinnerungen an berühmte (heute teils vergessene) Personen, wecken die Seen und Ortschaften im Salzkammergut immer noch echte Begeisterung. Ich kann gut verstehen, dass sich viele in diese Landschaft verliebt haben – die hohen, eindrucksvollen Berge und die vielen Seen, die sich dazwischenschmiegen. Jetzt, zu Frühjahrsbeginn, grünte und blühte es schon, zum Teil zaghaft, zum Teil aber schon etwas deutlicher als in Deutschland. Die Bäume ließen sich zwar noch Zeit, aber Leberblümchen, Schlüsselblumen & Co. sorgten allerorten für bunte Tupfer im Gras und an Spalieren leuchten sich schneeweiße Birnenblüten.

Station 1: Gustav Klimt und Maria Jeritza am Attersee

Der Attersee ist Klimt-Land. Hier fand der Maler des berühmten „Kusses“ vielfältige Inspiration. Landschaftsbilder wie „Unterach am Attersee“ oder „Weg im Park von Shcloss Kammer“ enstanden während Gustav Klimts Aufenthalten im Salzkammergut.

Wikipedia beschreibt diesbezüglich:

Von 1900 bis 1916 war Gustav Klimt vorwiegend am Attersee in Oberösterreich auf Sommerfrische, vor allem zu Besuch in der Villa vom Hoftischlermeister Friedrich Paulick. Hier entstand der größte Teil seiner Landschaftsgemälde. In Unterach am Attersee erinnert ein Klimt-Denkmal am Seeufer daran.

Hier das von Wikipedia erwähnte Denkmal in Unterach:

klimt-unterach

Unterach ist heute ein ruhiges, verschlafen wirkendes Dorf. Anders als Gmunden am Traunsee, Bad Ischl oder St. Wolfgang am Wolgangsee scheinen nicht mehr viele Touristen hieherzufinden; der ehemalige Gasthof Post steht schon seit Jahren leer. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts muss der Ort viel mehr Anziehung auf Fremde und „Sommerfrischler“ ausgeübt haben.

Neben Klimt fühlte sich die damals hochberühmte und von Kaiser Franz Joseph II. „entdeckte“ Operndiva Maria Jeritza in Unterach wohl. Hier besaß sie eine schmucke Villa, in deren Garten sie regelmäßig Feste für das ganze Dorf veranstaltete, bevor sie nach Amerika auswanderte. Heute ist die Straße, an der ihre Villa stand, nach ihr benannt. Wenn mich nicht alles täuscht, muss das hintere Haus im folgenden Bild die ehemalige Jeritza-Villa sein:

blick-jeritzahaus

Bei Dietmar Grieser lässt sich im Kapitel „Da Capo für den Kaiser. Maria Jeritza in Unterach“ mehr über die Opernsängerin und ihre Beziehung zum Salzkammergut nachlesen.

Doch zurück zu Gustav Klimt, dem Star des Wiener Jugendstils.

Auch ihm widmet Grieser in seinem Buch ein Kapitel: „Die Ungeküsste. Gustav Klimt in Kammer“. Der Titel bezieht sich auf die langjährige Klimtmuse und platonische Freundin Emilie Flöge. Mit ihr verbrachte Klimt seine Sommer in Kammer am Attersee. Doch obwohl Klimt Affären nicht abgeneigt war – Emilie schien lebenslang „nur“ eine Seelenverwandte und Vertraute zu sein. Geküsst haben die beiden sich vermutlich nie  – doch der berühmte „Kuss“ in Bildform soll niemand anderen als Klimt selbst und Emilie Flöge darstellen! Der Blumenteppich, auf dem das Liebespaar postiert ist, soll zudem auf den gemeinsamen Urlaubsort Attersee hinweisen…

Rund um den Attersee bin ich Klimt und Emilie Flöge mehrmals begegnet, an den Stationen des sogenannten Klimtweges, wo man mehr über Klimts Schaffen am Attersee erfährt:

Klimt-Weg am Attersee, Unterach

Klimt und seine Seelenfreundin in Unterach

Und hier Schloss Kammer, von Klimt mehrmals auf der Leinwand verewigt:

schloss-kammer

 

Station 2: Traunkirchen und Schloss Ort am Traunsee

Weiter geht’s zum Traunsee. Nahe Gmunden liegt dort auf einer winzigen Insel im See das Schloss Ort, das für die TV-Serie „Schlosshotel Orth“ jahrelang als Kulisse herhalten musste. In Wahrheit ist es kein Hotel (was schon viele TV-Fans enttäuscht feststellen mussten), aber immerhin ein gutes Restaurant mit Aussichtsterrasse mit Blick über den See auf Gmundens Hausberg Traunstein.

Noch näher ist man dem Traunstein im stillen Ort Traunkirchen. Hier zog ein Schwan elegant und einsam über den See, am Traunstein vorüber…

… während seine Artgenossen am kleinen Hafen ihr Nest richteten:

traunsee

Sehr malerisch ist der Friedhof des Dorfes (ebenfalls Drehort für „Schlosshotel Orth“).

friedhof-traunsee

Und in der Kirche befindet sich die Fischer-Kanzel, eine ganz besondere Kirchenkanzel, die an den wunderbaren Fischfang erinnern, bei dem Jesu Jünger mit vollen Netzen heimkehren:

Station 3: Strobl am Wolfgangsee

Und zum Abschluss geht es nach Strobl am Wolfgangsee. Strobl ist zwar weniger bekannt als die Nachbargemeinden St. Gilgen oder St. Wolfgang, aber ebenfalls ein schmucker Ort. Auf dem Vorplatz der alten Dorftkirche begegnete mir diese nette Samtpfote:

Katze

Am Seeufer entlang kann man von Strobl bis nach St. Wolfgang wandern, vor sich das herrlichste See- und Bergpanorama.

Wolfangsee

Sehr schmuck fand ich die kleinen Bootshäuser am Wegrand.bootshaeuser

Ich kann gut verstehen, dass das Salzkammergut mit seinen vielfältigen landschaftlichen Reizen und hübschen alten Orten ein Sehnsuchtsrort war und ist. Hier lässt sich gut ausspannen und für ein paar Tage Alltagshektik vergessen und die Natur genießen. Für mich war es sicher nicht mein letzter Besuch im Salzkammergut.

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5 Gedanken zu “Salzkammergut im Frühling: 3 Stationen in der See(le)nlandschaft

  1. Im Salzkammergut da kann man gut lustig sein 🙂 Ein schöner Spaziergang mit tollen Fotos – wobei mir am allermeisten doch die malerisch dasitzende Katze gefällt! Macht wirklich Lust auf einen Ausflug über die Grenze.

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