Der Maler des Lichts: Joaquín Sorolla in München

Was kann man an einem verregneten Juni-Sonntag Besseres tun, als sich in’s Museum aufzumachen und sich Bilder von Sommer, Meer und Gärten anzusehen? Ich habe es heute endlich in die Ausstellung „Joaquín Sorolla / Spaniens Meister des Lichts“ in der Kunsthalle München geschafft und auf visuellem Wege Sonnenwärme und -licht getankt 🙂

Kunsthalle-Sorolla

Der spanische Maler Joaquín Sorolla, 1863 in Valencia geboren, ist bis heute einer der beliebtesten Künstler in seinem Heimatland – und bei uns in Deutschland fast unbekannt. Das mag am starken Spanienbezug seiner Bilder liegen oder daran, dass er gegenständlich malte, während seine jungen Zeitgenossen den Fauvismus, Kubismus, etc. für sich entdeckten. Sorolla dagegen blieb zeitlebens Impressionist und schuf Bilder voller Licht, Luft und Leichtigkeit. Sein Werk ist von den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen seiner Zeit (Erster Weltkrieg, Oktoberrevolution usw.) unberührt, er zeigte die Sonnenseiten des Lebens: Szenen aus dem eigenen und öffentlichen Gärten, badende Kinder, das private Glück mit seiner Frau Clotilde und den drei Kindern…

Immerhin im ersten Raum, der das frühe Werk des „Meisters des Lichts“ zeigt, klingt auch ein wenig Sozialkritik an: Da ist das Gemälde „Mädchenhandel“ von 1894, das eine Kupplerin und ihre „Ware“, herausgeputzte junge Mädchen, in einem Zugabteil zeigt. Und das „Traurige Vermächtnis“ zeigt eine Gruppe kranker, gebrechlicher Knaben, die in Begleitung eines schwarzgekleideten Priesters im Meer baden dürfen. Die Darstellung geht auf eine von Sorolla erlebte Szene zurück, die ihn offenbar tief beeindruckte und erschütterte.

Joaquín Sorolla malte fast ausschließlich en plein air. Egal ob Strandszenen bei Jávea, in Biarritz oder auf Mallorca, Darstellungen der Alhambra in Granada oder Porträts der Töchter und der Gattin – immer spielt das Licht eine wesentliche Rolle.

Joaquín-Sorolla

Joaquín Sorolla y Bastida – Rocas de Jávea y el bote blanco (Quelle:Wikimedia Commons, Public Domain)

Bei seinen zahlreichen Meeresdarstellungen fühlte ich mich plötzlich stark an den Roman Der Garten über dem Meer von Mercè Rodoreda erinnert, der mich zu Jahresbeginn sehr beeindruckt hatte. Darin gibt es einen Maler, der stets das Meer malt, in all seinen unterschiedlichen Gestalten, so, wie auch Sorolla das Meer zeit seines Lebens aufmerksam studierte und auf die Leinwand bannte. Und das einsame weiße Boot aus dem Bild Rocas de Jávea y el bote blanco (vgl. Abb.), erinnerte mich an eine Schlüsselszene im Roman…

Überhaupt könnten viele Bilder von Joaquín Sorolla Rodoredas Roman illustrieren: die impressionistischen Gartenszenen, die im Sonnenlicht glitzernden Wellen des Meeres, die spanischen Fischer… zu gut würde all dies zu dem sommerlichen Roman passen, der selbst sehr impressionistische Züge trägt und in dem das Meer ebenso präsent ist wie auf Sorollas Gemälden.

Hach, da bekomme ich gleich Lust, wieder im Garten über dem Meer zu blättern!

Vor meinem Fenster prasselt gerade wieder der Regen, es will einfach nicht aufhören. Umso besser, dass es die Möglichkeit gibt, den Sommer, sein Licht und seine Wärme wenigstens auf Leinwänden und zwischen Buchdeckeln zu genießen. 🙂

Mehr zur Ausstellung und Sorollas Kunst findet ihr zum Beispiel hier:

Die Ausstellung ist noch bis 3.7. in der Kunsthalle München zu sehen.

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2 Gedanken zu “Der Maler des Lichts: Joaquín Sorolla in München

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