Regen

Ganz schön verregnet, dieses Wochenende! Jetzt ist, wie ich finde, der passende Zeitpunkt für Gottfried Kellers Regengedicht gekommen, dass ich vor einer Weile entdeckt habe:

Fliederblüte und Sonne aus Ton

Trübes Wetter

Gottfried Keller (1819-1890)

Es ist ein stiller Regentag,
So weich, so ernst, und doch so klar,
Wo durch den Dämmer brechen mag
Die Sonne weiß und sonderbar.

Ein wunderliches Zwielicht spielt
Beschaulich über Berg und Tal;
Natur, halb warm und halb verkühlt,
Sie lächelt noch und weint zumal.

Die Hoffnung, das Verlorensein
Sind gleicher Stärke in mir wach;
Die Lebenslust, die Todespein,
Sie ziehn auf meinem Herzen Schach.

Ich aber, mein bewusstes Ich,
Beschau das Spiel in stiller Ruh,
Und meine Seele rüstet sich
Zum Kampfe mit dem Schicksal zu.

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