Lluis Llach: Die Frauen von La Principal

Mit Die Frauen von La Principal ist Lluis LLach eine spannende Familiensaga gelungen, die aber auch als Kriminalroman gelesen werden kann. Im Mittelpunkt der Handlung, die sich vom späten 19. Jahrhundert bis zum Jahr 2001 erstreckt, stehen die drei Marías:

Roman von Lluis Llach

Der katalanische Autor Lluis LLach beschreibt das Leben dreier eigenwilliger Frauen.

1893-1933: María Roderich, genannt „die Alte“

Die erste, María Roderich, wächst als einzige Tochter unter fünf Geschwistern auf dem Weingut La Principal in Katalonien auf. Als die Reblaus die Weinstöcke des Guts befällt, kehrt der Vater samt den vier Söhnen dem Familiensitz den Rücken und zieht nach Barcelona. Seiner Tochter jedoch vererbt er – sehr zum Missfallen ihrer Brüder – La Principal. Und das in einer Zeit, als Frauen von der Gesellschaft und der Religion unterdrückt waren und Männer sich sträubten, mit Frauen Geschäfte zu machen. María bleibt allein zurück, ihrem Schicksal überlassen, aber entschlossen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Bald verwandelt sie sich vom behüteten Töchterchen in eine herrische, durchsetzungsstarke Gutsherrin und verhilft dem Weingut bald zur neuerlichen Blüte.

1940: María Magí, „la Senyora“

Ihre Tochter María Magí tritt Jahrzehnte später in ihre Fußstapfen. Auf La Principal geht alles seinen gewohnten Gang, bis eines Tages ein Inspektor auftaucht, der es sich in den Kopf gesetzt hat einen Mord aufzuklären, der sich vier Jahre zuvor ereignet hatte, aber während des spanischen Bürgerkriegs in Vergessenheit geraten war. Der Inspektor wirbelt eine Menge Staub auf, verdächtigt bald Marías Geliebten und schließlich sogar sie selbst…

2001: Die jüngste María

61 Jahre später, im Jahr 2001, lebt die jüngste María, Tochter beziehungsweise Enkelin der älteren Gutsherrinnen, ebenfalls auf La Principal und leitet das Weingut erfolgreich.Von ihrem greisen Vater erhält sie eines Tages ein Manuskript: Er hat seine Erinnerungen an die ersten Marías, den Mordfall und seine Auflösung aufgeschrieben. María liest den Text erst widerwillig, doch bald mit großer Fasziniation und voller Unglauben: Sie erfährt Dinge über ihren Vater, aber auch ihre Mutter, von denen sie nie den Schimmer einer Ahnung gehabt hat…

Fazit: Eine spannende & anregende Lektüre

Mir gefiel der Roman sehr gut und ich konnte ihn bald nicht mehr aus der Hand legen. In Rückblenden und Zeitprüngen in die Zukunft erzählt Llach die Geschichte seiner drei Heldinnen. Die Erzählung ist athmosphärisch dicht und der Spannungsbogen geschickt konzipiert: Vermutet man zuerst noch ein Familien- oder Frauenporträt, setzt bald die Kriminalhandlung ein und gibt dem Roman eine packende Wendung. Zugleich öffnet Die Frauen von La Principal dem Leser auch den Blick auf die spanische Gesellschaftsordnung  des frühen 20. Jahrhunderts beziehungsweise das frankistische Spanien.

Von LLuis LLach hatte ich bisher nie gehört. Laut Klappentext ist er ein äußerst erfolgreicher katalanischer Liedermacher der Nova Cançó. Die Frauen von La Principal ist sein Debütroman und 2014 auf Katalanisch erschienen.

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4 Gedanken zu “Lluis Llach: Die Frauen von La Principal

  1. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, gerade diese Mischung aus recht unterschiedlichen Themen und Charakteren. Allgemein finde ich es spannend, wie verschieden die spanische/katalanische Literatur das Thema Bürgerkrieg reflektiert. Es ist ein Thema, das sicherlich Autoren wie Leser auch in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Viele Grüße

    • Liebe Constanze, kannst du mir vielleicht noch ein anderes spanisches/katalanisches Buch empfehlen, das den Bürgerkrieg reflektiert? Ich finde das Thema nämlich auch sehr spannend und würde gerne noch weitere Romane über die Epoche lesen. LG & schon mal ein schönes Wochenende dir!

      • Hallo liebe Stefanie! Ich habe vor einiger Zeit einen Roman von Almudena Grandes gelesen und nun fiel mir ihr Roman „Ines und die Freude“ entgegen, der auf die Wunschliste ging. Allgemein ist der Bürgerkrieg eines ihrer Themen. Ich kenne zudem „Der Feigenbaum“ von Pinilla und „Flüchtiger Glanz“. Letzteren findest du auch als Besprechung auf meinem Blog. Mir selbst ist kürzlich „Auf der Placa del Diamant“ von Rodoreda empfohlen worden, ein Roman, den ich sicherlich bald lesen werde.
        Viele Grüße

      • Herzlichen Dank für die Empfehlungen! Da ist sicher was für mich dabei 🙂 „Auf der Placa del Diamant“ möchte ich gerne mal lesen, Rodoredas „Garten über dem Meer“ hat mir sehr gefallen.
        Und deine Rezension zu „Flüchtiger Glanz“ macht mich auch sehr neugierig…
        Schöne Grüße!

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