Heimito von Doderer, Teil I: Begegnungen und Annäherungen

Heimito von Doderer – dieser irgendwie exotisch, irgendwie auch anheimelnd klingende Name war mir lange Zeit nur von einer Reihe Buchrücken in der Bücherwand meines Vaters vertraut. Ich wusste, dass Doderer österreichischer Autor war, ein Wiener, der die Strudelhofstiege im 9. Bezirk seiner Stadt im gleichnamigen Roman (1951) verewigt hatte.

doderer-werke

Eben jene Strudelhofstiege, eine breite, elegante Jugendstil-Treppe, die die Strudelhofgasse mit der Liechtensteinstraße verbindet, bin ich bei vor eineinhalb Jahren bei meiner Wienreise selbst hinuntergestiegen. Zwar hatte ich bislang nur die ersten Zeilen von Doderers Roman an-, dann aber nie weitergelesen. Aber diese Treppe nun selbst zu betreten, die literarisch verewigt wurde und Anziehungspunkt für alle wienreisenden Doderer-Fans ist, hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.

Ein Gedicht Doderers ist auf einer Tafel neben dem oberen Brunnenbecken  zu lesen:


Außerdem begegnete mir Doderer damals an einer gelben Hauswand in der Buchfeldgasse, wo der Autor lange Zeit gelebt und geschrieben hat, unter anderem an der Strudlhofstiege:

Trotzdem sollte noch eine ganze Weile vergehen, bis ich mich tatsächlich selbst an die Doderer-Lektüre wagte. Auslöser war ein Besuch bei meinen Eltern Anfang Dezember. Irgendwie kamen wir auf Heimito von Doderer zu sprechen, der in späten Jahren zeitweise auch in meiner Heimatstadt Landshut gelebt hat (bei seiner zweiten Ehefrau Maria Thoma). Mein Großvater, der Buchhändler war, kam eines Tages sogar mit Doderer ins Gespräch, als dieser seine Buchhandlung betrat. Leider ist nicht überliefert, worüber sich die beiden unterhalten haben. Zu schade…

Meine Eltern erzählten außerdem, dass sie vor kurzem eine sehr interessante ORF-Fernsehdoku über Doderer und seine Familie gesehen hätten. Sie hatten sie sogar aufgenommen und gemeinsam sahen wir sie uns nochmal an: Heimito und die Doderers – Eine Familie und ihr Schriftsteller.

Darin begibt sich die Großnichte Doderers auf Spurensuche, besucht die weitverzweigte Verwandtschaft in Österreich, Deutschland oder Italien und versucht sich dem Mythos Doderer anzunähern. Heimito von Doderer kommt dabei nicht immer gut weg: Seine Verwandten werfen durchaus auch einen kritischen Blick auf ihn, der als schwarzes Schaf der Familie gegolten und sich schriftlich oft unschön über das Familienleben geäußert hat: „Wer sich in Familie begibt, kommt darin um“. Dennoch war Doderer zeitlebens auf seine Familie und derern finanzielle Unterstützung angewiesen, denn erst spät kam er als Schriftsteller zu Ruhm.

Die Doku Heimito und die Doderers machte mich jedenfalls noch neugieriger auf diesen vielschichtigen, eigenwilligen und oft unverstandenen Schriftsteller. Da mich die Strudlhofstiege wieder nicht sehr reizte, griff ich mir lieber Ein Mord den jeder begeht aus dem Bücherregal meines Vaters. Der Titel versprach zumindest eine gewissen Spannung…

Wie es mir mit meiner ersten Doderer-Lektüre ergangen ist, erfahrt ihr in meinem nächsten Beitrag!

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