Begegnung zweier Schriftsteller im Exil: Yamen Hussein und Said

Der Radiosender Bayern 2 und das Literaturhaus München haben in Kooperation mit dem Schriftstellerverband PEN einen literarischen Dialog der besonderen Art initiiert: Zwei Schriftsteller, die einander nie begegnet sind, aber beide in München im Exil leben, wurden gebeten, miteinander in Briefkontakt zu treten. Am vergangenen Donnerstag, dem 9. März 2017, trafen sich die beiden erstmals persönlich: auf einer gemeinsamen Lesung im Literaturhaus München.

Boot auf winterlichem See

Zwei Dichter fern der Heimat

Der eine: Yamen Hussein aus Homs, syrischer Journalist und Schriftsteller. Er lebt seit drei Jahren in Deutschland – wo er nach einer strapazenreichen Flucht über den Libanon und die Türkei ankam. In seiner Heimat Syrien war Hussein wegen seiner Regimekritik verfolgt worden. Nun lebt er in München, lernt am Goethe-Institut Deutsch und ist Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des PEN.

Der andere: Said, gebürtig aus Teheran, lebt seit 1965 in München im Exil: als 17jähriger war er zum Studium nach Deutschland gekommen, doch seine Rückkehr in den Iran wurde – erst unter der Herrschaft des Schas, dann der der Mullahs – unmöglich. Said (oder SAID, wie sein Künstlername geschrieben wird) ist kein unbeschriebenes Blatt: Er ist u.a. Preisträger des Literaturpreises der Landeshauptstadt München und des Chamisso-Preises, war 2000-2002 Präsident des PEN und publiziert Lyrik und Prosa auf Deutsch.

Die beiden Literaten trennen beinahe 40 Jahre Altersunterschied, doch die Exilerfahrung teilen sie. Beide sind in München gestrandet, haben sich hier eine neue Heimat geschaffen, verarbeiten ihre Erfahrungen literarisch und geben die Hoffnung nicht auf, eines Tages doch wieder in ihre Heimat reisen zu können.

›salam, yamen‹ – ›Lieber Said‹ im Radio

Drei Monate lang schrieben sich Yamen Hussein und Said Briefe, die erstmals am vergangenen Sonntag in der Sendung „Das offene Buch“ auf BR2 zu hören waren.

So wurde ich auch auf die Veranstaltung im Literaturhaus aufmerksam:

Ich versuche ja am Sonntag Vormittag immer, wenn möglich, die Sendung „Sonntagsbeilage“ mit Gregor Hoppe zu hören (die ich allen Leseratten und Literaturliebhabern wärmstens ans Herz lege). Danach bleibe ich hin und wieder am „offenen Buch“ hängen. Vergangenen Sonntag fesselte mich der poetische Briefwechsel zwischen Yamen Hussein und Said. Als ich hörte, dass die beiden sich am Donnerstag im Literaturhaus bei einer gemeinsamen Lesung begegnen würden, beschloss ich, mir ein Ticket zu besorgen.

Und ich bin wirklich froh, an diesem Abend dabeigewesen zu sein. Jeder Bestandteil der Veranstaltung war auf seine Weise berührend und bewegend: Die Lesung der beiden Autoren aus ihren Briefen (Hussein las auf Arabisch, Paul Herwig die deutsche Übersetzung), das virtuose Spiel von Roman Bunka auf der Oud und das spannende Gespräch zwischen den Schriftstellern unter Moderation von Cornelia Zetzsche…

Ich kann euch nur empfehlen, selbst einmal reinzuhören in die Briefe von Yamen Hussein und Said:

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2 Gedanken zu “Begegnung zweier Schriftsteller im Exil: Yamen Hussein und Said

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