Kultbuch: Der große Meaulnes

Vor kurzem hat mir eine Freundin einen Roman mitgebracht, der in Frankreich als Klassiker gilt, hierzulande aber eher unbekannt ist: Der große Meaulnes von Henri Alain-Fournier. Ich hatte bisher noch nie davon gehört, aber da meine Freundin mir das Buch so stark empfahl, machte ich mich neugierig ans Lesen.

dtv-Ausgabe des Romans Der große Meaulnes von Henri Alain-Fournier

Die Handlung setzt in den 1890er Jahren im ländlichen Frankreich ein. Der jugendliche Ich-Erzähler François ist Sohn eines Lehrerehepaars und besucht die höhere Klasse der Schule, die sein Vater im Dorf Sainte-Agathe leitet. Als eines Tages eine Dame erscheint und ihren 17jährigen Sohn in die Obhut von François‘ Eltern gibt, tritt eine entscheidende Wendung in sein Leben. Augustin Meaulnes, bald von seinen Mitschülern nur „der große Meaulnes“ genannt, ist anders als die anderen Jungen im Dorf, stolzer, unabhängiger, geheimnisvoller. Eines Tages verschwindet Meaulnesa. Als er schließlich wieder auftaucht, bringt er ein Geheimnis mit sich, das sein und François‘ Leben bald beeinflussen wird…

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Was mir an dem Roman am meisten gefallen hat, war seine klare Sprache, die ruhige Erzählweise und eine gewisse Wehmut, die stets leicht mitschwingt.

In manche Bücher muss man sich ja zuerst hineinfinden, sträubt sich vielleicht gegen bestimmte Ausdrücke oder sperrige Sätze. Beim großen Meaulnes erlebte ich genau das Gegenteil: ich genoss die Lektüre vom ersten Moment, fand sie regelrecht wohltuend. Es ist ein stiller, sanfter, unaufgeregter Roman, der den Leser dennoch (oder gerade deswegen) schnell in seinen Bann schlägt. Mich verzauberte er vom ersten Satz an („Er kam an einem Sonntag im November 189… in unser Haus.“) und ich musste unbedingt wissen, was es mit François, seiner Freundschaft zu Augustin und dessen Abenteuer auf sich hat.

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Der große Meaulnes war der erste und einzige Roman des jungen Franzosen Henri Alain-Fournier. Er wurde 1913 veröffentlicht; am 22. September 1914 starb der Autor im Alter von 27 Jahren bei Verdun.

Vermutlich auch aufgrund von Alain-Fourniers frühem Tod entwickelte sich der Roman in den Zwischenkriegsjahren zum Kultbuch der französischen Jugend. Er schlug aber auch Leser wie Klaus Mann, Henry Miller oder Peter Suhrkamp in seinen Bann; laut der Nachbemerkung der Übersetzerin Cornelia Hasting (meine Ausgabe: dtv 2013) las letzterer den großen Meaulnes zwischen 1930 und 1943 einmal jährlich.

Ich werde den Roman vermutlich nicht jedes Jahr wiederlesen, aber ich werde ihn mit Sicherheit einmal erneut aufschlagen.

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Mich würde interessieren: Kennt ihr Der große Meaulnes und habt ihr ihn schon gelesen?

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6 Gedanken zu “Kultbuch: Der große Meaulnes

  1. Ich habe ihn gelesen, aber ich fand leider gar keinen Zugang – mir war der Held von Beginn an unsympathisch. Aber das ist nur mein persönlicher Geschmack – die Sprache fand ich sehr gut, aber ich mochte einfach „den Menschen“ nicht.

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